Rezension: "Christen sind Fremdbürger"

Von Elisabeth Schoft
Die gegenwärtige Zeit ist eine Zeit des Umbruchs. Die Auswirkungen von Kriegen und Terror erlebt Europa deutlich und steht nun vor der Herausforderung einer angemessenen Flüchtlingspolitik. Angesichts vermehrter religiöser und kultureller Vielfalt mag sich der ein oder andere Christ demzufolge als „Fremdbürger“ vorkommen. Ein hochaktuelles Thema – und doch wurde dieses Buch nicht etwa 2016 geschrieben, sondern erschien bereits vor 25 Jahren in den USA. Nun wurde „Resident Aliens“ (Originaltitel) erstmals ins Deutsche übersetzt und spricht nach wie vor in die „nachchristliche Gesellschaft“. Dies stellt ihrer Meinung nach keinen Grund zur Sorge dar, im Gegenteil: Die gegenwärtige Zeit ist auch eine Zeit des Aufbruchs.
Hauerwas und Willimon erhoffen sich nicht nur neue Begeisterung für die gute Botschaft des christlichen Glaubens, sondern auch eine Neuausrichtung zu den Wurzeln: zum Abenteuer Christsein. Ob es eine Existenzberechtigung für die Kirche in modernen Gesellschaften, gar der Welt gibt? Natürlich, meinen sie: „Aus christlicher Welt betrachtet braucht die Welt die Kirche; sie braucht sie aber nicht, damit alles in der Welt glatter läuft, um die Welt besser zu machen oder damit Christen sicherer in dieser Welt leben können. Die Welt braucht die Kirche vielmehr deshalb, weil die Welt ohne die Kirche nicht wissen kann, wer oder was sie ist.“ In ihrem visionären Buch zeichnen die beiden Theologen das Bild einer neuen Kirche, die sich ihren Platz in der Gesellschaft zurückerobert und wieder zurück zum Eigentlichen findet: „Jesus Christus ist immer noch das Interessanteste, was die Kirche in der Welt zu sagen oder zu tun hat“.
Ein Buch, dass dazu motiviert, tief Luft zu holen, in die Lektüre der kurzweilig erzählten Kirchengeschichte einzutauchen und wieder aufzutauchen, um die Vision einer lebendigen und christuszentrierten Kirche in die eigenen Gemeinde umzusetzen.

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