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Kundenbewertungen zu Übermorgenland: Eine Weltvorhersage


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Anzahl der Bewertungen: 3
Durchschnittliche Bewertung: 4,7

23.05.2019

Ein brisantes und hochaktuelles Buch

Gesternland, Morgenland, Übermorgenland – vieles von dem, was Markus Spieker schreibt, hat Hand und Fuß und sollte den Leser nachdenklich stimmen. Jahrelang konnte er hautnah beobachten, worüber wir nur aus der Ferne sprechen: Das oft von oben herab behandelte, zumindest nicht ganz ernst genommene Morgenland, Asien. Ja, es gibt dort viele arme und ärmste Länder. Aber können wir wirklich noch stolz darauf sein, ein in jeder Hinsicht überlegenes Land zu sein? Der Autor sagt nein, und er führt ausführlich aus, warum. Es geht um Werte und Traditionen, um Mythen, Nachrichtenberichterstattung und den Umgang mit den Herausforderungen unserer Zeit.
Ein Buch, welches zunächst mit einem sehr schönen, ansprechenden Cover daherkommt. Auch der Inhalt hinkt nicht wesentlich hinterher: Markus Spieker betrachtet unsere Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven und geht dabei sehr strukturiert vor. Er unterscheidet in drei Teilen Gesternland, Morgenland und Übermorgenland: Warum wir die Welt nicht mehr verstehen, wie sie sich entwickelt und wie wir uns dagegen wappnen können. Vor allem die Prognosen im mittleren Teil fand ich sehr spannend und aussagekräftig: So wird unsere Welt laut Spieker sinnloser, härter, wütender, künstlicher, weiblicher und vieles andere – was bedeutet das für uns? Er schreibt dabei sehr differenziert über die immer komplizierter werdende Welt, was beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Davor habe ich großen Respekt. Er schreibt aus erster Hand, was er gesehen und erlebt hat, räumt mit weitverbreiteten Missverständnissen auf und musste auch viele eigene Überzeugungen revidieren.
Wie so oft, gilt auch für dieses Buch: Einigem konnte ich mich anschließen, anderem nicht. Die Schwerpunkte des Autors sind nicht immer hundertprozentig meine, aber das ist ja nie der Fall. Das Buch fand ich trotzdem sehr facettenreich und spannend, und dabei hochaktuell. Es ist ein großes Gesamtbild, was er versucht zu zeichnen; wie globale Entwicklungen einander bedingen. Was machen Religionen mit Gesellschaften? Welche Zukunft wollen wir? Markus Spieker greift Fragen auf, die keineswegs lebensfern sind, auch wenn sie so groß erscheinen. Auch vor brandheißen Themen wie Künstlicher Intelligenz und der weitverbreiteten Angst vor dem Islam schreckt er nicht zurück.
Fazit: Der Autor betrachtet die unterschiedlichsten Entwicklungen, und so steckt in diesem Buch sehr, sehr viel drin. Ein großer Pluspunkt ist in meinen Augen, dass er wichtige Fragen anspricht, aber selbst zugibt, keine Ideen oder Lösungen parat zu haben. Denn die sind bei weitem nicht so einfach, wie es uns oft weisgemacht wird. Aber dennoch müssen wir uns den Fragen stellen, und dieses Buch ist ein guter Start dafür. Ich kann es nur weiterempfehlen!

25.03.2019

Viele Anregungen zum Selberdenken

Markus Spieker ist ein Journalist, wie er im Buche steht. Das wird auch in seinem neuesten Buch "Übermorgendland" in jeder Zeile deutlich. Neugierde zeichnet ihn aus und das richtige Wort zur richtigen Zeit wie die Veränderung von Adornos Diktum in "Es gibt aber kein richtiges Denken im falschen."
Seine Beobachtungen vom indischen Subkontinent und sein Wissen aus Hintergrundgesprächen mit Politikern in Berlin fügt er zusammen und wagt sogar weite Ausblicke. Spieker unterhält seine Leserinnen und Leser, fürwahr. Er bezieht Position. Dabei gewährt er die Freiheit der eigenen Meinung.
Die Kapitel sind kurz und es lassen sich sogar gut mehrere am Abend lesen. Und Spieker liefert zusätzlich noch einige Literatur für diejenigen, die sich weiter informieren möchten; und wie es sich für einen intellektuellen Globetrotter gehört, sind dies zumeist Titel in Englisch.

15.02.2019

Der Welt-Blicker

Markus Spieker hat viel von der Welt gesehen. Das ist zunächst mal ganz wörtlich gemeint: Der promovierte Historiker hat unter anderem in den USA studiert und vier Jahre lang das ARD-Studio Südasien geleitet. Aber auch gedanklich ist Spieker äußerst weitgereist, wie in seinem neuen Buch „Übermorgenland“ deutlich wird. So einer hat das Recht – und den Welt-Blick – zur großen Analyse, zur Rundumschau. Und genau an der versucht er sich.

Ursprünglich wollte er über seine „spannendsten Reporter-Erlebnisse am Hindukusch und am Ganges“ schreiben, berichtet der Journalist. Doch dann habe er noch eine spannendere Geschichte entdeckt: Mit welch rasendem Tempo sich unsere Welt von Krise zu Krise hangelt und kaum Luft zum Durchatmen hat. Drei Megatrends macht er aus, die zusammen „den perfekten Sturm“ bewirken: die Globalisierung, die Digitalisierung und die Individualisierung.

Es macht den Reiz dieses Buches aus, dass Spieker eben nicht „nur“ politische und gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet, sondern tiefer gräbt: nach dem, was Menschen bewegt, was sie antreibt und was sie immer wieder an den Rand des Nervenzusammenbruchs führt. Die Botschaft: Alles ändert sich, alles ist im Fluss, wir leben latent an der Grenze zur Überforderung. Er versteht sich dabei „als Pilger, der in einer Zeit der rasanten Beschleunigung und der extremen Horizonterweiterung versucht, sich selbst und anderen Orientierungshilfen zu geben“.

Spieker legt dabei den Finger in viele Wunden. So kritisiert er die heutige junge Generation dafür, dass ihr angesichts riesiger Herausforderungen „eigene Lösungsvorschläge und der Biss, sie auch durchzusetzen“, fehlen. „Aber das kann ja noch kommen.“ Er räumt mit „modernen Mythen“ auf, wie etwa der „Geschichte vom unaufhaltsamen Siegeszug des freiheitlichen Fortschritts“ und der „schrittweisen Gleichstellung aller Menschen“. Er habe dagegen festgestellt: „Die Menschen werden zwar freier, aber insgesamt nicht weniger religiös und traditionsverbunden.“ Und: „Die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede werden immer größer.“ Was hilft, ist laut Spieker nur nüchterner Realismus, vor allem in der globalen Perspektive.

Im Einzelnen macht Spieker viele verschiedene, teils widersprüchliche Entwicklungen aus: Die Welt wird wärmer, jünger, wütender, weiblicher, autoritärer und populistischer, aber auch insgesamt sicherer. Sie wird schmutziger, aber auch familienorientierter. Und sie wird frommer – außer in Europa. Ausführlich geht Spieker auf das Thema Christenverfolgung ein, das ihm spürbar am Herzen liegt und in seiner ehemaligen Berichtsregion ein großes Problem ist. Er schildert hautnah, wie die Christin Asia Bibi nur knapp dem Todesurteil bzw. der Lynchjustiz durch fanatische Muslime entkommen ist. Und er beklagt, dass die europäischen Christen insgesamt dem Schicksal ihrer Glaubensgeschwister relativ wenig Beachtung schenken.

Die große Hoffnung für die Welt ist, zu diesem Schluss kommt der Pfarrersohn und Christ Markus Spieker schließlich, die christliche Kirche. Weil er erlebt hat, wie Kirche funktionieren kann. „Als Wärmestube und als Kraftfeld.“ Die Bibel gebe auch in Krisenzeiten konkrete Antworten. „Deshalb ist mir nicht bange vor dem, was uns bevorsteht. Durch die immer größeren Risse im Gebälk des vernunftfixierten Fortschritts wird immer mehr Licht einfallen.“ Nicht die liberale, „entmythologisierte“ Kirche wird Träger der Hoffnung sein, sondern diejenige, die am Handeln Gottes in der Geschichte und Gegenwart, an Kreuz und Auferstehung Jesu festhält. So ist Spiekers große Weltschau am Ende: ein Hoffnungsbuch.
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