Ich freue mich, dass die Bibel so dick ist, weil ...

Gottes Wort

Eckhard Hagedorn ist Theologe und promovierter Kirchengeschichtler. Von 1999–2019 war er Dozent für Neues Testament am Theologischen Seminar St. Chrischona. Eine Mitschrift seiner Predigt in der FEG Fuhr am 4.12.2022.

«Es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben.» (5. Mose 32,47)

«Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und Leben.» (Johannes 6,63)

«Lasst das Wort Christi unter euch reichlich wohnen.» (Kolosser 3,16)

Im Lied «Komm und lobe den Herrn» werden 10.000 Gründe genannt, Gott zu loben. Können wir auch ein paar Gründe nennen, warum wir uns über die dicke Bibel freuen?

16 Gründe möchte ich nennen. «16» sind schon ziemlich viele; die Zahl will aber auch sagen, dass man noch viel mehr finden kann.

Jeder meiner Gründe fängt an mit «Ich freue mich, dass die Bibel so dick ist, weil ...» Das «Ich» in diesen Punkten soll nicht mein «Ich» bleiben; es ist ein Platzhalter für jeden von euch.

Es könnte auch gut sein, dass ihr miteinander in den nächsten Tagen noch mehr Gründe findet. Bei den von mir genannten fehlen durchaus wichtige ... Aber fangen wir an:

Ich bin froh, dass die Bibel so dick ist, ...

1. weil ich Menschen kennengelernt habe, in deren Leben die Bibel viel Platz hat.

Das hat mich beeindruckt. Als ich 16 war,  waren Leute in meinem Alter fasziniert von der Bibel. Die waren sportlich gut drauf, viel besser als ich – und dann hockten die sich hin und lasen in der Bibel.

2. weil dieses Buch mein Herz erobert hat.

3. weil ich in dem Buch, das mich am härtesten kritisiert, nicht verachtet werde.

Mir geht es wie den meisten Leuten: Ich werde lieber gelobt als kritisiert. Die Bibel ist nicht Wasser auf meine Mühle. Sie sagt mir dauernd Sachen, die ich nicht hören will. Aber sie schickt mich nicht auf den Weg der Selbstverachtung. Hier kommt mir Hoffnung entgegen.

4. weil ich lernen möchte, dass Gottes Interessen Vorfahrt haben vor unseren.

William Penn sagte: «Die Menschen müssen sich entscheiden, sich von Gott führen zu lassen, oder sie verurteilen sich dazu, von Tyrannen beherrscht zu werden.»

5. weil ich nicht möchte, dass meine Einmaligkeit zur Einsamkeit wird.

Zum Glück sind wir nicht ganz so einmalig, wie wir oft tun. Wenn wir zum Zahnarzt gehen, ist es sehr praktisch, dass der alle unser Zähne im Mund findet und nicht bei dem einen hinterm linken Ohr und bei andern in der Nähe des großes Zehs suchen muss.

Wenn wir unsere Identität suchen, indem wir uns von anderen abgrenzen, werden wir wohl einsam werden. Wer sich der dicken Bibel aussetzt, könnte eine gesegnete Einmaligkeit finden, die fähig macht zu gestalteter Gemeinschaft.

6. weil sich uns Tag für Tag ganz viele Themen aufdrängen.

Wofür soll ich mich alles interessieren und engagieren! Da lebe ich nicht, da werde ich gelebt. Ich möchte sortieren lernen. Ich möchte merken, was Gottes Themen sind.

«Gib uns, dass wir den Weg zu deinen Gedanken finden, Tag für Tag und Stunde für Stunde. Lass uns nach und nach werden, wofür du uns schufst. Gib uns deinen Blick, stell uns an deine Seite, mach uns gelehrig in deinem Wort, das das ganze Leben hell macht und verwandelt.» (OJC-Kalender, Kardinal Suenens)

7. weil ich nicht immer nur «ich» sagen will, sondern lernen will, «wir» zu sagen.

Rudolf Bohren sagte: «Wir haben Gott das Wir geklaut.» Die Bibel öffnet die Augen für die Gemeinde, für die Glieder am Leib Christi und dass ich zum Volk Gottes gehöre. Wer sagt, dass Christsein Privatsache ist und mir niemand in die Beziehung zu Jesus reinreden darf, der lebt kein gesundes Christsein. Das ist religiöse Selbstbefriedigung.

8. weil mein Leben kein großes Ganzes ist, sondern bloß ein kleines Bruchstück.

Mein Leben ist ein Fragment. Im dicken Buch bekomme ich es mit dem Spezialisten fürs große Ganze zu tun.

9. Weil wir hier dem Gott begegnen, der eine bessere Kondition hat als wir.

In Psalm 90 steht: «Unser Leben währet 70 Jahre, wenn´s hoch kommt, so sind´s achtzig Jahre.» Wir tun manchmal, als stünde da: «Unser Leben währet 20 Jahre. Und wenn´s hoch kommt, so sind´s 30 Jahre.» Das Leben ist mehr als ein Marathon. Wir haben es mit einem Gott zu tun, der Kondition hat für Jahrhunderte.

10. weil der Gott der Bibel nicht zur Kur muss.

So viele Menschen gehen mit ihren Problemen zu Gott, aber Gott hält das aus.

11. weil ich mir oft vorkomme wie ein alter Fahrradreifen.

Es mag komisch klingen, aber die dicke Bibel ist eine Art Luftpumpe. Ich lebe davon, dass Gott mich täglich neu aufpumpt.

12. weil ich Gott wirklich nötig habe. Je länger, je mehr.

Ich bin noch längst nicht der, für den manche mich halten. Kierkegaard sagte: «Gott nötig zu haben ist die größte Vollkommenheit.» Dieser Satz stellt die ganze Welt auf den Kopf – und er tut unbeschreiblich gut. Die dicke Bibel sagt mir das auf fast jeder Seite.

13. weil Jesus nicht zu mir passt.

Deshalb habe ich ihn gerne in meiner Nähe.

14. weil Gott, der Heilige Geist, dieses Buch höher schätzt als wir.

Der Heilige Geist ist der größte Liebhaber dieses dicken Buches!

15. weil ich eine Ahnung davon bekommen habe, dass Gott immer noch größer ist als das, was ich bis jetzt von ihm gemerkt habe.

In Epheser 3,18 steht, «..., ich bete, dass ihr begreifen könnt, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft.» Manche halten Christsein für eine Art enges Gefängnis. Viele, die sich dann doch darauf einließen, machten die Erfahrung: Es ist keine enge Zelle, sondern ein großes Wohnzimmer. Und es wurde immer größer: wie eine Turnhalle und noch größer, unabsehbar groß und weit. Die dicke Bibel hilft uns, in diese Dimensionen hineinzuwachsen.

16. weil ich erwartet werde.

Es ist nicht einfach, die Bibel als Einladung zu verstehen. Nicht: Hier ist ein dickes Buch und ich bin einer, der es lesen soll. Sondern: Da ist einer, der auf mich wartet.

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