Was tun, wenn Hoffnung zerrinnt

Golden Leaves

Im Leben eines Christen gibt es Momente der Enttäuschung. Wir sehen die Zukunft nicht voraus und können uns nur bedingt im Glauben darauf vorbereiten. Wenn alles zu zerfallen droht, brauchen wir Wegweisung, wie wir wieder Halt unter die Füße bekommen.

«What’s left to see when our eyes won’t open and what’s left to do when we’ve lost all hope?» (Was bleibt übrig, wenn unsere Augen sich nicht öffnen und was ist noch da, wenn alle Hoffnung verschwunden ist?) Eine melancholische Liedzeile aus «Golden Leaves» von Passenger.

Vor meinem inneren Auge sehe ich ein Herbstblatt, das langsam vom Baum fällt und gerade die Kraft verloren hat, am Baum festzuhalten. Vorbei der Sommer und mit ihm die blühende Wärme. Gerade noch in goldenem Hochglanz und kurz danach vertrocknet und alt.

Jahreszeiten gibt es auch in meinem Leben. Manchmal wechseln sie schneller, streckenweise hüpft mein Herz in den schönsten Farben, auf anderen Wegen stirbt Hoffnung ab. Gerade ist die Zeit so turbulent, dass meine Sehnsucht nach bleibenden, beständigen Dingen gewachsen ist. Die Suche macht oft müde, und manches Finden bleibt aus oder stellt sich als ganz anders heraus, als erwartet.

Woher kommt jetzt meine Hoffnung? Woran halte ich mich fest, wenn ich zu fallen drohe? Und was bleibt mir noch im freien Fall?

In Jeremia 17,7–8 steht: «Doch ich segne jeden, der seine Hoffnung auf mich, den HERRN, setzt und mir ganz vertraut. Er ist wie ein Baum, der nah am Bach gepflanzt ist und seine Wurzeln zum Wasser streckt: Die Hitze fürchtet er nicht, denn seine Blätter bleiben grün. Auch wenn ein trockenes Jahr kommt, sorgt er sich nicht, sondern trägt Jahr für Jahr Frucht.»

Diese Bibelverse geben mir eine Perspektive: Es gibt also einen Weg, trotz Hitze und trockenen Zeiten nicht zu verdursten. Ich möchte drei Dinge aufzeigen, wie Hoffnung uns nicht zwischen den Fingern zerrinnt:

Täuschung anerkennen

Wenn das Leben uns nicht das gibt, was wir erwarten, werden wir enttäuscht. Wackelige Fundamente werden aufgedeckt und lassen uns mit vielen Fragezeichen zurück. Mir hilft es, anzuerkennen, auf dem Holzweg gewesen zu sein, und ehrlich vor mir und Gott zu werden. Wenn dieses Fundament, auf das ich meine Hoffnung gestellt habe, nicht gehalten hat, dann ist es nicht Wert, daran festzuhalten, und nur ein schlechtes Abbild dessen, was Gott uns verspricht.

In Gottes Arme fallen

Wenn wir getäuscht werden, kommt im Nachzug ein Suchen nach der Wahrheit, nach echtem Halt. Was ist stabil und wer ist vertrauenswürdig? Wer wird mich nicht enttäuschen? Jeremia sagt über Gott, er werde jeden segnen, der seine Hoffnung auf den Herrn setzt und ihm ganz vertraut. Um diesen Segen zu empfangen, braucht es also häufig ein Loslassen von Kontrolle und eigenen Vorstellungen. Wie das müde Blatt vom Baum fällt, so dürfen auch wir in Gottes Arme fallen.

Auftanken in der Wahrheit

Der dritte Schritt ist sehr wichtig, denn wenn wir uns an der Quelle befinden, sollten wir nicht vergessen zu trinken. Neu eingepflanzt am Wasser sind wir nun Hörende, die das Wort Gottes aufnehmen und über es nachsinnen. In Psalm 1,2–3 heißt es: «Glücklich ist, wer Freude hat am Gesetz des HERRN und darüber nachdenkt – Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, der nah am Wasser gepflanzt ist, der Frucht trägt Jahr für Jahr und dessen Blätter nie verwelken. Was er sich vornimmt, das gelingt.» Tag und Nacht dürfen wir Gebrauch machen von dem Wort Gottes, das bestehen bleibt und unsere Seele erneut zum Blühen bringt.

Wenn Hoffnung schwindet und wir uns, wie es in einer weiteren Liedzeile von Passenger heißt, als Herbstblatt lieber krampfhaft am Winterbaum festhalten, dann wünsche ich mir, dass Gott uns an den Ort führt, an dem Fallen der Anfang ist von einer blühenden Oase.

  

 

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